Zeitreise ins 19. Jahrhundert auf dem Kirchplatz der kleinsten Hansestadt Deutschlands — Markt, Kostüme und Storchenführungen
Werben (Elbe) — diese kleine Hansestadt an der unteren Elbe, im Landkreis Stendal im Bundesland Sachsen-Anhalt, ist eine der ungewöhnlichsten Adressen Norddeutschlands. Mit nur rund 1.200 Einwohnern gilt sie als kleinste Hansestadt Deutschlands, hat aber ein gotisches Stadtbild, das es mit den großen Geschwistern aufnehmen kann: spätgotische Johanniskirche, mittelalterliche Stadtmauer, Backsteinhäuser aus mehreren Jahrhunderten. Einmal im Jahr — am ersten Juliwochenende — kehrt die Zeit zurück in dieses Städtchen: zum Biedermeier-Sommermarkt.
Die Idee, dieses ungewöhnliche Themenfest in Werben anzusiedeln, hatte ab 2006 der Arbeitskreis Werbener Altstadt e.V. — ein engagierter Bürgerverein, der sich der Pflege des historischen Stadtbildes widmet. Das Biedermeier — jene Stilepoche zwischen Wiener Kongress 1815 und Revolution 1848 — passt zu Werben wie eine maßgeschneiderte Robe: bürgerlich, beschaulich, von gemütlich-kultivierter Lebensart. Die Werbener Bürgerhäuser stammen größtenteils aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, und die Stadtsilhouette hat sich seit Goethes Zeiten kaum verändert.
Auf dem Kirchplatz am Fuß der Johanniskirche versammeln sich über das Wochenende rund 30 Stände — Händler, Kunsthandwerker und Künstler, alle in Biedermeier-Kostümen: Reifröcke, Zylinder, Spitzenhauben, Westen. Verkauft werden Stoffe, Lederwaren, Handarbeiten, Schmuck, antike Bücher, Spielzeug, Räucherwaren, Honig und Kunsthandwerk aller Art. Auf Bühnen treten Musiker und Theatergruppen mit Werken der Biedermeier-Epoche auf — Schubert-Lieder, Mendelssohn-Kammermusik, Vorstellungen aus dem Burgtheater-Repertoire jener Zeit, Tänze nach historischer Choreografie.
Eine besondere Attraktion: die Storchenführungen. Werben ist eine der storchen-reichsten Gemeinden Sachsen-Anhalts; auf vielen Hausdächern sieht man die Horste. Während des Marktes führen Storchen-Experten interessierte Gäste durch die Altstadt und erläutern die Lebensweise der Vögel, die Nestabundanz und den Naturschutz. Auch Kirchenführungen in St. Johannis sind im Programm. Für Kinder gibt es in der Schadewachten-Gasse eine Spielstraße mit historischen Spielen, Geschicklichkeitsstationen und Bastel-Workshops.
Die Gastronomie macht stilecht mit: Im Café Lämpel gibt's Werbener Weiße (das lokale Biermischgetränk), regionale Obstweine, Suppen, Flammkuchen und Schmalzgebackenes. Das Commandeurhaus serviert deftige Speisen und das lokale Bier Johannesgold. Unter den Linden vor der Kirche betreibt ein Chor ein eigenes Café mit Kaffee und Kuchen.
Werben gehörte vom 13. bis ins 17. Jahrhundert der Hanse an und war damit Teil des großen norddeutschen Handelsverbunds. Die heute kleine Stadt war damals durchaus wirtschaftlich relevant — Flussschiffer aus Hamburg, Stendal, Tangermünde und Magdeburg legten hier an. Die Stadtmauer mit dem mächtigen Elbtor ist erhalten und gehört zu den schönsten Beispielen norddeutscher Backsteingotik. Wer das Fest besucht, erlebt nicht nur ein originelles Themen-Event — sondern bekommt einen Eindruck davon, wie deutsche Stadtgeschichte in einem Mikrokosmos lebendig bleiben kann.
Wie jedes Jahr findet das Fest am ersten Juliwochenende statt — 2026 ist das der 4. und 5. Juli. Veranstalter ist wieder der Arbeitskreis Werbener Altstadt e.V. zusammen mit der Hansestadt Werben.
Detailprogramm 2026 mit Aussteller- und Künstlerliste wird ab Mai/Juni 2026 auf werben-elbe.de veröffentlicht. Auf Basis der Vorjahre erwarten dich die bewährten Programmpunkte.
Gastronomie: Café Lämpel (Werbener Weiße, regionale Obstweine), Commandeurhaus (Bier Johannesgold), Chor-Café unter den Linden.
Detailprogramm: werben-elbe.de
Hansestadt Werben, Kirchplatz, 39615 Werben (Elbe). Mit dem Auto: A14 Ausfahrt Stendal, dann ca. 30 km über die B189 und Landstraßen. Kein direkter Bahnanschluss — von Stendal oder Osterburg per Bus oder Taxi. Für Radler: Werben liegt direkt am Elberadweg.
Frei. Speisen, Getränke und Kunsthandwerk vor Ort zu üblichen Marktpreisen. Spende an den Arbeitskreis Werbener Altstadt e.V. willkommen.
Samstag 12 bis 19 Uhr (Hauptmarkt), Sonntag 11 bis 17 Uhr. Optimal: Samstagnachmittag, wenn das Programm in vollem Gange ist und die Werbener Cafés alle geöffnet haben.
Werben hat keine großen Hotels — buche frühzeitig in den Pensionen der Altstadt oder übernachte in Stendal/Osterburg. Per Rad ist das Wochenende ein Traum: vom Marktbesuch zur Elbe-Radtour ins Havelland.
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Kirchplatz Hansestadt Werben
Kirchplatz, 39615 Werben (Elbe)