Über 270 Jahre alte Dorfkirmes mit weißem Hemd und rotem Zylinder
Wer Ende Juli durch das beschauliche Güdesweiler im Landkreis St. Wendel spaziert, fällt sofort auf eine Gruppe junger Männer, die mit weißem Hemd, aufgesticktem Widderkopf und rotem Zylinder durch die Straßen ziehen. Das sind die Hämmel, und sie sind die Herren des Festes. Seit rund 1750 organisieren sie die örtliche Kirmes, was Güdesweiler eine der traditionsreichsten Hammelskerb-Feiern des Saarlandes beschert.
Jeder männliche Volljährige aus Güdesweiler darf einmal in seinem Leben als „Hammel" antreten. 1995 stand die Tradition zum ersten Mal seit Jahrhunderten kurz vor dem Aus, weil sich kein Jahrgang fand. 31 Männer schlossen sich kurzerhand zusammen, gründeten 1996 die IG Hämmel e.V. und sicherten so das Fortbestehen. Seitdem trägt der Verein das Erbe gemeinsam mit dem Dorfverein Güdesweiler e.V., der seit einigen Jahren das große Festzelt betreibt.
Sonntagnachmittag erreicht die Hammelskerb ihren Höhepunkt: Nach einem feierlichen Kirchgang, bei dem die Schützen Spalier stehen, ziehen die Hämmel zum Dorfplatz und halten die Kirmesrede. Was als humorvoller Jahresrückblick beginnt, mutiert schnell zur satirischen Abrechnung mit allem, was im Dorf in den letzten zwölf Monaten schiefgelaufen ist. Niemand bleibt verschont, auch nicht der Bürgermeister.
Der Festplatz beherbergt Autoscooter, Kinderkarussell, Schießbude, Süßwaren- und Weinstand. Im Festzelt wechseln sich Blasmusikkapellen, regionale Coverbands und DJs ab. Den Auftakt am Freitagabend macht traditionell eine Kirmesdisco, am Sonntag spielt eine Tanzkapelle zum Familienmittag, der Montag gehört dem Frühschoppen mit dem örtlichen Musikverein (zuletzt MV Steinberg-Deckenhardt). Am Dienstagabend folgt das berühmt-berüchtigte Kerbebegräbnis mit Aufnahme („Taufe") des kommenden Hämmel-Jahrgangs.
Anders als die meisten saarländischen Kirmesfeste, die längst entpolitisiert und touristisch glattgebügelt sind, hat Güdesweiler den deftigen Dorfhumor und das gemeinsame Schaffen aller Vereine bewahrt. Wer einen authentischen Eindruck vom Landleben im nördlichen Saarland sucht, ist hier genau richtig.
Das offizielle Generationen- und Kulturprogramm 2026 der Gemeinde Oberthal nennt für die Hammelskerb in Güdesweiler den Zeitraum 24. bis 27. Juli 2026. Federführend sind weiterhin der Dorfverein Güdesweiler e.V. mit Vorsitzendem Timo Backes und die IG Hämmel e.V., die den Aufzug der jungen Männer mit weißem Hemd und rotem Zylinder organisiert.
Erwartet wird das bewährte Programmraster der letzten Jahre: Eröffnung am Freitagabend, sportliches Vorprogramm der SG Oberes Bliestal am Samstag, Familiensonntag mit Kinderzauberer und Kirmesrede am späten Nachmittag, Frühschoppen am Montag mit Musikverein und finaler Kirmestanz.
Detailprogramm und Bandansagen werden vom Dorfverein Güdesweiler über die Mitteilungen der Gemeinde Oberthal und den Ortsteil-Newsletter im Juni 2026 veröffentlicht.
Eintritt frei. Speisen und Getränke zu dorfüblichen Preisen.
Güdesweiler liegt im Landkreis St. Wendel, etwa 40 km nordöstlich von Saarbrücken. Mit dem Auto über die A1 (Ausfahrt Tholey/Theley), dann B41 in Richtung St. Wendel. Mit dem ÖPNV ab Bahnhof St. Wendel mit den Buslinien R1/R3 (Saarland-Tarif).
Eintritt frei. Kostenfreie Parkplätze rund um den Festplatz und im Ortskern, in Spitzenzeiten ausgeschildert.
Hotels und Pensionen in Tholey, St. Wendel und am Bostalsee (15 Min. Fahrtzeit). Für Wohnmobile gibt es ausgewiesene Stellplätze in Tholey.
Den Sonntagnachmittag freihalten — die Kirmesrede ist ein unverwechselbares Erlebnis.
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Festplatz Güdesweiler
Festplatz Güdesweiler, 66649 Oberthal