Mittelalterliches Reiterspiel seit 1671 — Pfingstsonntag in Dithmarschen
Das Rolandreiten war einst in vielen mittelalterlichen deutschen Städten als ritterliches Übungsspiel verbreitet — Sieger erhielten Ehre und Preis. Über die Jahrhunderte verschwand der Brauch nahezu vollständig. Heute hat sich das offene Wettkampfformat fast ausschließlich in Windbergen im Kreis Dithmarschen erhalten — der einzige Ort weltweit, an dem das Spiel als reguläre, jährliche, öffentliche Wettkampfveranstaltung stattfindet (an anderen Orten lebt es nur als Reenactment-Showspiel auf Mittelaltermärkten weiter).
Auf dem Festplatz steht die Rolandfigur: eine lebensgroße hölzerne Gestalt mit ausgestrecktem rechten Arm, an dem ein Schild befestigt ist. Am linken Arm hängt ein Säckchen mit Asche. Die Reiterinnen und Reiter galoppieren paarweise an der Figur vorbei und versuchen, mit dem Stößer (einer Lanze) den Schild so kraftvoll zu treffen, dass die Figur sich um die eigene Achse dreht. Wer nicht schnell genug wegreitet, bekommt im selben Augenblick die Folgen zu spüren: Der Roland schlägt zurück und hüllt den Reiter in eine Aschewolke. Jeder Teilnehmer hat fünf Durchläufe.
Der Roland-Schützenverein Windbergen organisiert das Spiel seit 1971. Ab den frühen 1990er-Jahren nahmen erstmals Frauen am Wettbewerb teil. Seit 2002 gibt es eine eigene Kategorie für sie — und somit jährlich einen frisch gekrönten Rolandkönig und eine Rolandkönigin. Die ältesten dokumentierten Königsschilder im Vereinsbesitz datieren auf das Jahr 1671 — die Tradition geht aber wahrscheinlich noch weiter ins 16. Jahrhundert zurück.
Windbergen ist eine kleine Marsch-Gemeinde mit rund 600 Einwohnern im Kreis Dithmarschen im Bundesland Schleswig-Holstein. Eingebettet in das ehemalige Bauernrepublik-Land zwischen Heide und Meldorf, hat der Ort eine bemerkenswerte Eigenständigkeit bewahrt. Wer in Windbergen aufgewachsen ist, weiß, was Rolandreiten ist — wer von außen kommt, sieht etwas, das es so wirklich nirgendwo sonst gibt.
Das Fest am 24. Mai 2026 folgt der traditionellen Choreografie. Um 11:00 Uhr startet der Festumzug an der Kirche und führt durchs Dorf bis zum Festplatz. Dort beginnt der eigentliche Wettkampf:
Am späten Nachmittag werden Rolandkönig und Rolandkönigin proklamiert. Im Festzelt klingt der Pfingstabend mit Musik, Bewirtung und Tanz aus.
Mit dem Auto über die A23 (Abfahrt Heide), dann B431 Richtung Meldorf, weiter nach Windbergen. Mit der Bahn bis Meldorf, von dort weiter mit Bus oder Taxi.
Festumzug und Veranstaltungen auf dem Festplatz öffentlich zugänglich. Im Festzelt ggf. Eintritt oder Verzehrkarten.
Wer das Rolandreiten zum ersten Mal sieht, sollte sich rechtzeitig einen Platz nahe der Rolandfigur sichern — der Moment, in dem der Reiter den Schild trifft und die Aschewolke aus dem Säckchen aufsteigt, ist das Schlüsselbild des Festes.
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Festplatz und Kirche Windbergen