Queer-Elektronik-Festival auf Ferropolis — vier Tage Techno, House und kollektive Freiheit zwischen den Tagebaubaggern
Es gibt wenige Festivalkulissen, die so kompromisslos und kunstvoll zugleich wirken wie Ferropolis: Auf einer Halbinsel im Gremminer See bei Gräfenhainichen im Landkreis Wittenberg, im Bundesland Sachsen-Anhalt, ragen fünf riesige Tagebaubagger aus der einstigen Braunkohle-Tagebauzeit in den Himmel — Stahlkolosse, bis zu 30 Meter hoch, in einer Mondlandschaft aus geflutetem Tagebau. Hier richtet das Kollektiv hinter dem WHOLE United Queer Festival seit 2017 sein viertägiges Open-Air aus, und es gibt vielleicht keinen Ort in Europa, der so klar ein Statement abgibt: Das war einmal Industrie, jetzt ist es Tanzfläche. Das war einmal Verbrennung, jetzt ist es Befreiung.
WHOLE ist nicht einfach ein Techno-Festival. Es ist explizit, kompromisslos und politisch als queeres Festival konzipiert — eine Plattform für LGBTQIA+-Communities aus aller Welt, mit Booking-Politik, Programmgestaltung und Atmosphäre, die das durchgängig durchsetzen. Pro Ausgabe versammeln sich rund 7.000 Menschen aus ca. 60 Nationen auf Ferropolis. Sechs Bühnen — Arena, Beach, Crane, Forest, Ambient, Trina — verteilen sich über das Gelände; jede wird von einem renommierten queeren Kollektiv kuratiert: Herrensauna (Berlin), Gegen (Berlin), Pornceptual (Berlin), dazu internationale Gäste.
Das musikalische Spektrum reicht von harter Techno und Industrial über House, Bass, Breaks und Garage bis zu experimentellen Sounds und Ambient. Headliner 2026 sind u. a. HAAi, Sherelle, Tama Sumo, Juliana Huxtable, Kittin, Octo Octa (Live) — Namen, die in der globalen Club-Szene Gewicht haben. Dazu kommen über 100 weitere DJs und Live-Acts in einem 4-tägigen 24-Stunden-Betrieb (mit kurzen Pausen).
Doch WHOLE ist mehr als Musik. Das Programm beinhaltet Talks, Workshops und Community-Spaces zu Themen wie queere Pflege, kollektive Organisierung, Sexualität, mentale Gesundheit. Eine Cruising Village mit pansexuellen und FLINTA*-fokussierten Zonen erkundet Intimität jenseits heteronormativer Konventionen. Community-Tickets und ein Solidaritätsprogramm machen das Festival explizit zugänglich für marginalisierte Communities — Menschen of Color, trans Personen, Geflüchtete, Menschen mit Behinderung. Das Motto 2026 — Enter The Whole — beschreibt diesen Anspruch: ein Portal in einen geteilten Raum, der auf Präsenz, Teilhabe und kollektiver, queerer Freiheit aufbaut.
Ferropolis selbst ist ein Symbol der Transformation, die Sachsen-Anhalt in den letzten Jahrzehnten durchlebt hat. Wo bis Anfang der 1990er Jahre Braunkohle abgebaut wurde, entstanden nach der Wiedervereinigung gewaltige ökologische Wunden — und daraus, durch Renaturierung und Flutung, das Mitteldeutsche Seenland. Ferropolis bewahrte die fünf imposantesten Tagebaubagger als Industriedenkmal: heute Schauplatz für Großkonzerte (Splash!, Melt!, WHOLE, Full Force) und ein zentrales Symbol des kulturellen Wandels. Wer das WHOLE Festival besucht, tanzt zwischen Geschichte und Zukunft — auf einer Bühne, die ihresgleichen sucht.
Die 8. Ausgabe steht unter dem Motto „Enter The Whole" — ein Portal in einen geteilten Raum, der auf Präsenz, Teilhabe und kollektiver, queerer Freiheit basiert. Über 100 Künstlerinnen und Künstler auf sechs Bühnen, dazu Talks, Workshops, Cruising Village und Community Spaces.
Hier eine Auswahl der bestätigten Acts — die vollständige Liste mit über 100 Namen wird in mehreren Phasen über die Festival-Website und Social Media bekanntgegeben.
Sechs Bühnen — kuratiert von queeren Kollektiven:
Kuratoren / Kollektive 2026 (Auswahl):
Headliner (bestätigt):
Vollständige Künstlerliste in mehreren Phasen ab Februar 2026 auf wholefestival.com bekanntgegeben.
Ferropolis, Ferropolisstraße 1, 06773 Gräfenhainichen. Mit dem Auto: A9 Ausfahrt Dessau-Süd, dann ca. 25 km über die B107. Per Bahn nach Gräfenhainichen, dann offizieller Festival-Shuttlebus zum Gelände (ca. 5 km). Camping vor Ort inklusive.
4-Tage-Festivalticket inkl. Camping ab ca. 230 € (Frühbucher) bis 290 € (Spätphase). Community-Tickets und Solidaritätstickets verfügbar — das Festival hat ein explizites Programm für marginalisierte Communities. Letzte Ticketrelease 30. März 2026 um 15 Uhr.
Festival beginnt Freitag und endet Montagmorgen. Donnerstag ab Mittag Anreise und Campingaufbau. Höhepunkt-Sets meist Samstagnacht und Sonntagnacht. Tagsüber Talks und Workshops.
Sonnencreme, Wasserflasche und passende Schuhe — das Gelände ist staubig. Wer kein Camping mag: Pensionen in Gräfenhainichen oder Hostels in Dessau-Roßlau (ca. 20 km entfernt). Achtung: Das Festival hat einen klaren Verhaltenskodex und ein Awareness-Team. Respekt für queere Räume ist Voraussetzung für Teilnahme.
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Ferropolis — Stadt aus Eisen
Ferropolisstraße 1, 06773 Gräfenhainichen