Rockfestival für Demokratie und Toleranz im kleinsten Nazidorf Deutschlands
Jamel ist offiziell ein winziger Ortsteil der Gemeinde Gägelow, knapp 40 Einwohner, eingebettet zwischen Feldern und Wäldern westlich von Wismar. Seit den 1990er Jahren ist das Dorf bundesweit bekannt — leider aus traurigem Anlass: Die NPD-nahe Szene hatte hier nahezu alle Häuser aufgekauft und das Dorf zu einer rechtsextremen Enklave umfunktioniert. Als die Schriftstellerin Birgit Lohmeyer und der Musiker Horst Lohmeyer 2004 nach Jamel zogen, beschlossen sie, dem etwas entgegenzusetzen. 2007 luden sie zum ersten »Jamel rockt den Förster« ein — zunächst nur ein Hoffest mit befreundeten Musikern.
Heute ist das Festival weit mehr als ein Konzert: Es ist ein Statement. 2015 brannte die Scheune des Ehepaars Lohmeyer kurz vor dem Festival ab — ein mutmaßlicher Brandanschlag. Die Toten Hosen erfuhren davon, spielten kurzfristig spontan und machten das Festival einer Million-Hörerschaft bekannt. Seither steht das Wochenende unter besonderem Polizeischutz. 2024 kamen rund 3.500 Besucher, 2025 erhielten die Lohmeyers den Aachener Friedenspreis für ihr Engagement.
Eine Besonderheit, die das Festival einzigartig macht: Seit 2017 wird das Programm erst am Festivaltag bekanntgegeben. Wer ein Ticket kauft, weiß nicht, wer auftritt — er kauft die Botschaft, nicht die Show. Die Tickets sind streng limitiert und werden über ein Anmeldeverfahren der Lohmeyer-Stiftung vergeben. Trotzdem (oder gerade deshalb) ist die Veranstaltung jedes Jahr Wochen vorher ausverkauft.
Das künstlerische Spektrum reicht von deutschem Punk und Rock (Die Toten Hosen, Die Ärzte, Feine Sahne Fischfilet) über Indie und Hip-Hop (Kraftklub, Paula Hartmann, Materia) bis zu Reggae und Liedermachern (Irie Révoltés, Konstantin Wecker). Auch Herbert Grönemeyer und Helge Schneider standen bereits auf der kleinen Hofbühne in Jamel — ein Lineup, das auf jedem deutschen Großfestival glänzen würde, hier aber bewusst dem Bürgermut gewidmet ist.
Das Festival genießt die Schirmherrschaft von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und wird vom Land Mecklenburg-Vorpommern und zahlreichen Stiftungen unterstützt. Für viele Besucher ist es längst Pilgerort — ein Wochenende, an dem die Zivilgesellschaft dem Dorf, das einst als rechte Hochburg galt, ein anderes Gesicht gibt.
Auch 2026 setzt das Ehepaar Lohmeyer in Jamel ein deutliches Zeichen gegen rechts. Das Festival findet wie gewohnt auf dem privaten Hof im Ortsteil Jamel statt — am 4. und 5. September 2026. Es ist die mittlerweile 20. Ausgabe seit der Premiere 2007 (mit pandemiebedingter Pause 2020).
Wie 2025 (damals mit Die Toten Hosen, Kraftklub und Paula Hartmann als Headliner) wird das Line-up auch 2026 bis kurz vor Veranstaltungsbeginn unter Verschluss gehalten. Diese bewusste Geheimhaltung gehört zum Konzept und stellt sicher, dass die Tickets aus politischer Überzeugung erworben werden — und nicht wegen prominenter Namen.
Erwartet werden rund 3.500 Besucher. Die Veranstaltung wird durch ein umfangreiches Sicherheitskonzept und starke Polizeipräsenz begleitet.
Das vollständige Line-up wird traditionsgemäß erst am Festivaltag bekanntgegeben — die Veranstalter teilen vorab keine Namen mit. Bestätigt sind nur Termin und Format:
Die musikalische Bandbreite umfasst erfahrungsgemäß deutschsprachigen Punk, Rock, Indie, Hip-Hop, Reggae und Liedermacher. In den letzten Jahren traten unter anderem Die Toten Hosen, Die Ärzte, Herbert Grönemeyer, Kraftklub, Feine Sahne Fischfilet, Paula Hartmann, Materia und Irie Révoltés auf — was für 2026 zu erwarten ist, lässt sich nur erahnen.
Aktuelle Informationen werden über die offizielle Website forstrock.de, die Facebook-Seite und den Newsletter veröffentlicht.
Tickets werden ausschließlich über das Anmeldeverfahren der Lohmeyer-Stiftung vergeben. Die Vergabe erfolgt nach einem sozialen Staffelmodell (Selbsteinschätzung der Käufer). Begleitende Spenden über betterplace.org sind willkommen und finanzieren das Festival mit.
Jamel liegt rund 10 km westlich von Wismar in der Gemeinde Gägelow. Mit dem Auto: A20 Abfahrt Wismar, dann B105 Richtung Grevesmühlen. Mit der Bahn bis Wismar Hbf, von dort Shuttleservice für Ticketinhaber. Parkplätze sind beschildert.
Vergabe nur über die Lohmeyer-Stiftung (Anmeldung über forstrock.de und betterplace.org). Begrenzte Stückzahl, regelmäßig schnell vergriffen. Preise gestaffelt nach Selbsteinschätzung der Käufer.
Kein Campingplatz direkt am Hof. In Wismar (10 km) Hotels und Pensionen, am Ostseestrand Boltenhagen (15 km) Ferienwohnungen. Reservierung früh empfohlen.
Aufgrund der politischen Sensibilität wird das Festival jedes Jahr unter starkem Polizeischutz durchgeführt. Aggression gegen rechte Provokateure ist unerwünscht — die Antwort bleibt friedlich-kulturell.
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Hof Lohmeyer, Dorf Jamel
Jamel, 23968 Gägelow