Das letzte Juliwochenende ist in Bayern selten ruhig. In Bayreuth eröffnet der Grüne Hügel sein 150. Festspieljahr, in Forchheim wummert schon der Kellerwald, und in Memmingen rüstet sich die ganze Stadt für einen Sprung ins Jahr 1630.
Dazwischen: Weltmusik in Regensburg, Techno am Weiher bei Herzogenaurach, ein Fest der Kulturen in Ingolstadt. Was zieht am meisten? Unsere Wahl fällt diesmal auf einen kleinen Ort im äußersten Nordosten der Oberpfalz. In Mähring erinnert das St.-Anna-Fest an eine Vertreibungsgeschichte, die viele längst vergessen haben. Zwölf Ziele warten zwischen Festspielhaus, Bierzelt und Klosterhof.
Bayreuth: Bayreuther Festspiele
Am 24. Juli beginnt in Bayreuth das wohl berühmteste Opernfestival der Welt zum 150. Mal. Die Bayreuther Festspiele laufen bis 27. August und sind ausschließlich dem Werk Richard Wagners gewidmet. Wagner eröffnete das Festspielhaus 1876 selbst, gebaut allein für seine Musik, mit einer Akustik, die es weltweit kein zweites Mal gibt.
2026 feiert die Stadt das runde Jubiläum mit dem ganzjährigen Projekt Festival150: rund 150 Bühnen bespielen das gesamte Stadtgebiet. Wer keine Karte für den Grünen Hügel ergattert hat, findet trotzdem Zugang - über Konzerte, Ausstellungen und ein kostenloses Open Air im Festspielpark. Wagnerianer reisen dafür seit Jahrzehnten aus aller Welt an.
Forchheim: Annafest
Ende Juli wird der Forchheimer Kellerwald zur größten Freiluftkneipe Oberfrankens. Das Annafest läuft vom 24. Juli bis 3. August und zieht traditionell rund 500.000 Besucher an. Auf gut 20.000 Quadratmetern unter alten Eichen reihen sich 23 Bierkeller von 15 fränkischen Brauereien aneinander.
Der Ursprung liegt in einem Wallfahrtsbrauch zur heiligen Anna, heute dominieren Fahrgeschäfte, Live-Musik auf mehreren Bühnen und fränkische Schmankerl. Elf Tage lang wechseln sich Familiennachmittage mit Bierzeltabenden ab. Wer die Dichte an Traditionsbrauereien auf einem Fleck sucht, wird in ganz Bayern kaum etwas Vergleichbares finden.
Memmingen: Fischertag und Wallenstein-Festwoche
Zwei Traditionen, ein Wochenende: Am 25. Juli lassen die Memminger ihren Stadtbach ab. Beim Fischertag fischen rund 1.000 Bürgerinnen und Bürger mit Holzgabel-Netzen den Bach leer - wer die schwerste Forelle fängt, wird Fischerkönig. Die UNESCO listet den Brauch als immaterielles Kulturerbe.
Kaum ist der Bach leer, beginnt am 26. Juli die Wallenstein-Festwoche. Alle vier Jahre verwandelt sich die Reichsstadt für eine Woche zurück ins Jahr 1630, als der Feldherr Wallenstein hier sein Hauptquartier hatte. Über 4.000 Mitwirkende, 300 Pferde und mehr als 40 Gruppen bespielen die Gassen bis 2. August - Europas größtes Historienfest, laut eigener Zählung.
Kulmbach: Kulmbacher Bierwoche
Am 25. Juli öffnet in Kulmbach der Bierstadl zum 75. Mal. Die Kulmbacher Bierwoche zählt zu den größten Bierfesten Deutschlands und lockt bis 2. August rund 120.000 Gäste auf den EKU-Platz. Vier Brauereien - Kulmbacher, Mönchshof, EKU und Kapuziner - schenken dort ihre eigens gebrauten Festbiere aus.
Stimmungsbands und Brass-Combos begleiten den Ausschank Abend für Abend. Für eine Stadt mit rund 25.000 Einwohnern ist das eine beachtliche Zahl an Gästen - Kulmbach lebt neun Tage lang fast ausschließlich vom eigenen Bier.
Regensburg: Klangfarben Festival
Vom 24. bis 26. Juli wird der Regensburger Haidplatz zum Markt der Kulturen. Das Klangfarben Festival gilt als eines der profiliertesten Weltmusikfestivals Ostbayerns. Während auf dem historischen Platz internationale Klänge aufeinandertreffen, spielt im Arkadenhof des Thon-Dittmer-Palais ein zweites Programm.
Afro-Groove trifft auf Balkan-Folk, malischer Blues auf Mariachi-Trompeten. Wer sich sonst nur zwischen Dom und Steinerner Brücke bewegt, entdeckt hier eine ganz andere Seite der Stadt - drei Tage lang, mitten in der Altstadt.
Bamberg: Bamberg zaubert
Drei Tage lang gehört die Bamberger Altstadt nicht dem Verkehr, sondern der Straßenkunst. Bamberg zaubert läuft vom 24. bis 26. Juli und bringt über 300 Auftritte auf rund 20 Flächen im UNESCO-Welterbe. Magie, Akrobatik, Jonglage, Comedy und Feuershows wechseln sich im Minutentakt ab.
Der Eintritt ist frei, das Programm familienfreundlich. Zwischen Rathausbrücke und Domberg verwandeln sich Gassen und Plätze in kleine Bühnen - ohne feste Sitzplätze, dafür mit direktem Kontakt zwischen Publikum und Artisten.
Herzogenaurach: Open Beatz Festival
Am Poppenhofer Weiher bei Herzogenaurach dröhnen vom 24. bis 26. Juli acht Bühnen. Das Open Beatz Festival zählt zu den größten Elektro-Festivals Süddeutschlands: über 200 Künstler, rund 90.000 Besucher an drei Tagen.
Hardstyle, Techno, House, EDM, Uptempo und Psytrance - das Line-up deckt praktisch jede Spielart elektronischer Tanzmusik ab. Wer lieber Blasmusik hört, ist an diesem Wochenende in Herzogenaurach falsch. Wer Bass sucht, findet ihn hier in geballter Form.
München: OBEN OHNE Open Air
Am 25. Juli füllt sich der Königsplatz mit 20.000 Menschen - kostenlos, aber längst ausverkauft. Das OBEN OHNE Open Air gilt als größtes nicht-kommerzielles Festival Süddeutschlands, organisiert von den Kreisjugendringen München-Stadt und München-Land.
Indie, HipHop, Pop und Electronic wechseln sich auf der Bühne vor den Propyläen ab. Headliner 2026 sind Souly, Nura und benno!, dazu Anaïs, Bac und Kiara. Einmal im Jahr wird die klassizistische Kulisse zur Festivalwiese - alle Karten waren schon Wochen vorher weg.
Ingolstadt: Fest der Kulturen
Am 24. und 25. Juli verwandelt sich der Ingolstädter Klenzepark in einen Schmelztiegel. Beim Fest der Kulturen präsentieren über 30 Kulturvereine ihre Herkunft, Traditionen und Küche aus rund 25 Ländern.
Auf der Bühne wechseln Folklore, Tanz und Musik aus aller Welt, an rund 30 Ständen duftet es nach Gewürzen ferner Länder. Für Kinder und Jugendliche gibt es ein eigenes, kostenfreies Programm. Ein Wochenende, das zeigt, wie viele Herkunftsgeschichten in einer mittelgroßen bayerischen Stadt zusammenkommen.
Mähring: St.-Anna-Fest
Unser Favorit liegt fernab der großen Bühnen, oben im äußersten Nordosten der Oberpfalz. Das St.-Anna-Fest in Mähring ist eines der wichtigsten Wallfahrts- und Heimatfeste der Sudetendeutschen in Bayern - am 25. und 26. Juli.
Veranstalter ist der Heimatkreis Plan-Weseritz e.V. Seine Mitglieder kamen nach der Vertreibung 1945/46 aus dem Egerland in die nördliche Oberpfalz und errichteten in Mähring die St.-Anna-Gedächtniskirche. Jedes Jahr am letzten Juliwochenende trifft sich hier eine Erinnerungskultur, die anderswo kaum noch sichtbar ist.
Nürnberg: CSD Nürnberg Pride
Noch bis zum 9. August ist Nürnberg bunt: Der CSD Nürnberg Pride bringt die queere Community Mittelfrankens auf die Straße. Getragen vom Förderverein Christopher-Street-Day, mündet das Programm in eine große Demonstration durch die Innenstadt mit Bühnenfinale am Kornmarkt.
Politische Forderungen treffen auf Partystimmung, Sichtbarkeit auf Feierlaune. Für ein Wochenende zwischen Opernfestspielen und Bierzelten ist das ein anderer Ton - einer, der in Mittelfranken zunehmend Gehör findet.
Mehr Termine in ganz Bayern findest du in unserem Agenda für dieses Wochenende. Zwischen Grünem Hügel, Kellerwald und Klenzepark zeigt dieses Wochenende: Bayern feiert nie nur eine Geschichte.