Kunstfestival in einem 12-stöckigen Plattenbau vor dem Abriss — 10. bis 12. April 2026
Bis 2030 will die Stadt Eisenhüttenstadt fast alle ihrer ursprünglichen Plattenbau-Hochhäuser aus den 1960er Jahren abreißen. Die Bevölkerung der einst auf 50.000 Einwohner ausgelegten DDR-Vorzeigestadt ist auf knapp 25.000 geschrumpft, viele Hochhäuser stehen leer, und die Konversion der Innenstadt soll mit kontrolliertem Rückbau gelingen. Bevor das 12-stöckige Hochhaus in der Mittelschleuse 9 — eines der ersten zum Abriss vorgesehenen Gebäude — fällt, übernimmt es für drei Tage Martin Maleschka: Fotograf, Architekt und in Eisenhüttenstadt aufgewachsen. Er konvertiert das leerstehende Gebäude in ein temporäres Kunstlabor — und nennt das Festival „PlattePlatte“.
Das Konzept ist radikal: 50 Künstler*innen aus Deutschland und international ziehen für drei Tage in die 55 leeren Wohnungen. Jede Wohnung wird ein eigener Ausstellungsraum, eine eigene Bühne, ein eigener Klangraum oder ein eigenes Diskussionsforum. Die Genres reichen von bildender Kunst über Klangkunst, Tanz, Performance bis zu wissenschaftlichen Vorträgen und Stadtsoziologie. Es geht um eine pluri-disziplinäre Annäherung an einen Ort, der für ostdeutsche Geschichte steht — die Platte als Hoffnung der Moderne, als Lebensraum dreier Generationen, als Symbol für ein gescheitertes Wohnungsbauprojekt, jetzt als bedrohte Architektur.
Martin Maleschka ist in Eisenhüttenstadt aufgewachsen, studierte später Architektur und Fotografie und hat sich seither der Dokumentation der DDR-Architektur verschrieben. Seine fotografischen Arbeiten über Plattenbauten, ehemalige Konsum-Filialen und Sozial-Hochhäuser wurden international ausgestellt. Mit dem PlattePlatte-Festival kehrt er nach Eisenhüttenstadt zurück und schließt einen Kreis: Er gibt der Architektur seiner Kindheit ein letztes Wort, bevor die Bagger anrollen.
Die Vernissage findet am Freitag, 10. April 2026 um 16:00 Uhr statt — ein bewusst niedrigschwelliger Auftakt mit Begrüßung von Maleschka, kurzen Einführungen einzelner Künstler*innen und Gelegenheit für das Publikum, alle Etagen zu durchwandern. Samstag und Sonntag bieten Performances, Klangkonzerte, Diskussionsrunden und Filme. Das Hochhaus verwandelt sich in einen vertikalen Festivalplatz mit Programmpunkten parallel auf jeder Etage. Wer alle Wohnungen besuchen will, sollte mindestens zwei volle Tage einplanen.
Eisenhüttenstadt (bis 1961: Stalinstadt) wurde 1950 als planmäßige sozialistische Modellstadt rund um das Eisenhüttenkombinat Ost errichtet — die erste sozialistische Stadtgründung Deutschlands. Die symmetrische Innenstadt mit den klassizistischen Wohnblöcken der ersten Bauphase steht heute unter Denkmalschutz und ist das größte zusammenhängende Baudenkmal des frühen DDR-Städtebaus. Die später errichteten Plattenbauten der zweiten und dritten Bauphase (1960er-80er) sind nicht denkmalgeschützt — und werden in den nächsten Jahren weitgehend abgerissen. Das PlattePlatte-Festival ist ein letzter Akt der Würdigung dieser zweiten Generation.
Eisenhüttenstadt ist mit dem RE 1 ab Berlin Hauptbahnhof in rund 90 Minuten erreichbar. Das Hochhaus in der Mittelschleuse 9 liegt nördlich des Stadtzentrums. Wer das Wochenende mit einem Stadtspaziergang verbinden will: Das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR und die Magistrale mit ihrer DDR-Modernismus-Architektur lohnen einen Besuch vor oder nach dem Festival.
Das PlattePlatte-Festival ist ein einmaliges Kunstereignis — wörtlich. Das 12-stöckige Plattenbau-Hochhaus an der Mittelschleuse 9 wird nach dem Festival abgerissen. Die drei Festivaltage sind die letzte Gelegenheit, das Gebäude in seiner architektonischen Form zu erleben.
Martin Maleschka, der Kurator und in Eisenhüttenstadt aufgewachsene Fotograf und Architekt, hat 50 Künstler*innen eingeladen, jeweils eine Wohnung als eigenen Ausstellungs- oder Aufführungsraum zu gestalten. Die Beiträge reflektieren die Platte als Lebensraum, Erinnerungsort und bedrohten kulturellen Raum — pluri-disziplinär und vielstimmig.
Voraussichtlich freier Eintritt zu allen Programmpunkten. Aktuelle Infos zur Programmgestaltung und ggf. Spendenaufrufen über die Festival-Website und die lokale Presse.
Freitag 10. April (Vernissage 16:00 Uhr) bis Sonntag 12. April 2026.
Plattenbau Mittelschleuse 9, 15890 Eisenhüttenstadt (Landkreis Oder-Spree).
Voraussichtlich freier Eintritt zu allen Programmpunkten (Stand Mai 2026; aktuelle Infos auf der Festival-Website und in der lokalen Presse).
Mit der Bahn ab Berlin Hbf via RE 1 nach Eisenhüttenstadt (rund 90 Minuten). Vom Bahnhof zu Fuß oder mit dem Bus zur Mittelschleuse. Mit dem Auto über die A 12 (Abfahrt Eisenhüttenstadt) und die B 112.
Festes Schuhwerk und warme Kleidung mitbringen — das Hochhaus ist nicht beheizt und nur bedingt instand gesetzt. Programmflyer am Eingang.
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Hochhaus Mittelschleuse 9
Mittelschleuse 9, 15890 Eisenhüttenstadt